Was Prüfmittelmanagement Software abbilden sollte
Prüfmittelmanagement soll verhindern, dass eine Qualitätsentscheidung auf einem ungeeigneten Messmittel beruht. Die Software muss deshalb mehr beantworten als „Wann ist die nächste Kalibrierung?“: Welches Gerät wurde wofür eingesetzt, welcher Nachweis lag vor und wer hat den Einsatz unter welchen Bedingungen freigegeben?
Legen Sie vor der Produktauswahl fest, welchen Ablauf Sie benötigen:
- Externe Kalibrierung organisieren: Bestand, Versand, Rücklauf, Zertifikate, Bewertung und nächste Termine.
- Selbst kalibrieren: zusätzlich Prüfpläne, Referenzmittel, Messwerte, Berechnungen, Ergebnisse und Berichte.
- Produktionsprüfungen anbinden: zusätzlich die Verbindung zwischen Prüfmittel, Messaufgabe, Prüfauftrag und betroffenem Produkt oder Los.
Ein CAQ-System unterstützt rechnergestützt die Qualitätssicherung und kann mehrere dieser Aufgaben verbinden. Eine einfache Prüfmittelverwaltung ist nicht automatisch ein Kalibrierlabor-System oder eine Lösung für Messsystemanalysen, kurz MSA.
Prüfmittelverwaltung oder Prüfmittelmanagement?
Die Bezeichnungen sind am Markt nicht trennscharf. Einige Anbieter nennen die gesamte Lösung „Verwaltung“, andere verwenden „Management“ für ein Modul. Kaufen Sie deshalb keinen Begriff, sondern einen nachgewiesenen Funktionsumfang.
Im Bestandsnachweis stehen mindestens eindeutige ID, Seriennummer, Gerätetyp, Messbereich, Standort und Verantwortlichkeit. Für die Einsatzentscheidung kommen die konkrete Messaufgabe, Annahmekriterien, Kalibrierergebnisse und Freigabe hinzu. Eine Historie des Standorts ist hilfreich, ersetzt aber keine Zuordnung zu den tatsächlich durchgeführten Messungen.
Zehn Anbieter im Vergleich: Worauf Sie achten sollten
Die Übersicht beruht auf öffentlich zugänglichen Produktseiten, recherchiert am 8. September 2026. Sie zeigt unterschiedliche Schwerpunkte, keine Rangliste und keinen eigenen Softwaretest. Die Fragen in der rechten Spalte sind unsere Prüfvorschläge; sie bedeuten nicht, dass eine Funktion fehlt.
| Anbieter | Beschriebener Schwerpunkt und Frage für die Demo |
|---|---|
| Babtec | Prüfmittelmanagement, Fähigkeitsuntersuchung und Datenaustausch nach VDI/VDE 2623. Welche Funktionen gehören zu BabtecQ, welche zur getrennten Cloud-Plattform BabtecQube? |
| CAQ AG | PMM.Net mit Prüfplänen, MSA, Ausleihe per App und optionaler Sperre bei Fristüberschreitung. Welche Zusatzmodule und Funktionen für den Änderungsverlauf umfasst das Angebot? |
| Böhme & Weihs | CASQ-it PMM mit dynamischen Intervallen und Anbindung an Qualitätsprüfungen. Wird ein gesperrtes Gerät auch in den von Ihnen genutzten Prüfmasken ausgeschlossen? |
| QSC | QS1 verknüpft Prüfmittel mit Prüfplanung, Messwerten und Produkten. Wie wird bei einer Abweichung die betroffene Charge ermittelt? |
| DataLyzer | Kalibrierung, MSA und Einbindung in die statistische Prozesskontrolle. Welche Verbindung zu Qualis SPC ist für die gewünschte Statusprüfung nötig? |
| Consic | PMM mit getrennten Intervallen für Kalibrierung, Wartung und Funktionskontrolle sowie Ausgabeverwaltung. Welche Betriebsform und Reminder-Lizenz benötigen Sie? |
| Memida | Webbasierte Verwaltung mit Historie, Dateiablage und Exporten. In welchem Paket sind E-Mail-Erinnerungen, Rechte und Schnittstellen enthalten? |
| Qualitainer | CAQ-Modul für Überwachungspläne, Status, Besitzer und Lebenslauf. Wie werden ein negativer Befund und eine spätere Freigabe getrennt dokumentiert? |
| Fluke | MET/TEAM organisiert Laboraufträge und arbeitet mit MET/CAL zusammen. Benötigen Sie Vollversion, Mobile- oder Portal-Modul, und welche Systemversion wird aktuell unterstützt? |
| Beta-Angebot | Prüfmittel-software.de wirbt mit Import, Kalender und Zertifikaten. Wie enden kostenlose Beta-Nutzung und Datenzugriff, und welche Bedingungen gelten danach? |
Auf widersprüchliche Angaben achten: Bei Memida nennt die Preis-FAQ den direkten Import noch „in Arbeit“. Das Handbuch-Update vom 27. Mai 2026 beschreibt dagegen bereits den Import von CSV-, Excel- und OpenDocument-Dateien mit Zeilenprüfung. Lassen Sie die aktuell angebotene Version vorführen, statt aus einer einzelnen Textstelle auf den Funktionsstand zu schließen.
Auswahlkriterien
Nehmen Sie zur Demo einen kleinen, anonymisierten Beispieldatensatz mit. Alle Anbieter sollten dieselben Aufgaben bearbeiten. Die folgenden redaktionellen Abnahmeaufgaben prüfen typische Fehlerfälle; sie sind keine normierte Softwarevalidierung.
- Verwechslung verhindern. Zwei baugleiche Messschieber an verschiedenen Standorten anlegen. Eine Datei mit doppelter ID importieren. Zeigen lassen, welche Zeile abgewiesen oder einem vorhandenen Gerät zugeordnet wird.
- Einsatz trotz Sperre versuchen. Ein überfälliges Gerät für einen Prüfauftrag auswählen. Wird die Verwendung verhindert oder nur eine Warnung angezeigt? Wer darf die Warnung übergehen, und bleibt das sichtbar?
- Negatives Ergebnis einspielen. Einen Kalibrierschein mit einer Abweichung übernehmen. Die Datei muss verfügbar sein, ohne dass dadurch ungeprüft eine neue Freigabe entsteht.
- Früheren Zustand rekonstruieren. Ein Intervall ändern und einen korrigierten Kalibrierschein ergänzen. Danach zeigen lassen, welche Werte und Dokumente am Tag einer früheren Messung galten.
- Vertretung testen. Die zuständige Person ist abwesend. Fälligkeit und offene Bewertung müssen eine benannte Vertretung erreichen; ein allgemeines Dashboard allein belegt diesen Ablauf nicht.
- Daten mitnehmen. Einen vollständigen Gerätebestand einschließlich Historie und Dokumenten exportieren. Außerhalb des Systems prüfen, ob die Dateien lesbar sind und eindeutig zusammengehören.
Halten Sie pro Aufgabe das Ergebnis, die Produktversion, benötigte Module, offene Punkte und einen Beleg fest. Ein Verkaufsversprechen „auditfähig“ ist weniger aussagekräftig als ein nachvollziehbar bestandener Testfall.
Kalibrierschein, Ergebnis und Freigabe trennen
„Kalibriert“ bedeutet nicht automatisch „für jede Messaufgabe geeignet“. Das US-Metrologieinstitut NIST erläutert zur messtechnischen Rückführbarkeit, dass selbst Rückführbarkeit allein keine Eignung für einen bestimmten Zweck garantiert. Insbesondere muss die Messunsicherheit zur Messaufgabe passen.
Daraus folgt für Ihre Softwareauswahl: Dateieingang, fachliche Bewertung und Einsatzfreigabe brauchen getrennte Nachweise. Das ist unsere praktische Ableitung für den Freigabeprozess, keine zusätzliche Produktzertifizierung.
Die zuständige Person sollte erkennen können:
- ob Seriennummer, Gerät und Kalibrierauftrag zusammenpassen,
- welche Messbereiche, Messpunkte und Bedingungen erfasst wurden,
- welche Ergebnisse und Messunsicherheiten vorliegen,
- welche Annahmekriterien und gegebenenfalls Entscheidungsregel gelten,
- ob der Einsatz freigegeben, eingeschränkt oder gesperrt wird.
Eine grüne Datumsanzeige darf diese Entscheidung nicht ersetzen. Auch eine bloße Unterschrift hilft nicht, wenn unklar bleibt, was die Person bewertet hat.
Beispiel: Messmittel mit nachträglich festgestellter Abweichung
Fiktiver Demofall: Messschieber M-117 wurde für die Lose L-21 und L-22 verwendet. Bei der späteren Kalibrierung wird eine relevante Abweichung festgestellt. Der Anbieter soll zeigen, wie das Gerät gesperrt, der bisherige Einsatz ermittelt und eine Bewertung der früheren Prüfergebnisse angestoßen wird.
Fehlt die Verbindung zu Losen und Prüfaufträgen, muss ein anderes System diese Information liefern. Eine vollständige Gerätehistorie allein kann diese Lücke nicht schließen. Der Fall bedeutet nicht, dass jedes betroffene Produkt automatisch fehlerhaft ist; das muss fachlich untersucht werden.
Kalibrierfristen und Sperrstatus nachvollziehbar steuern
Lassen Sie sich nicht nur das nächste Datum zeigen, sondern auch die Intervallregel und ihre Änderungshistorie. Die ILAC führt mit G24:2022 einen Leitfaden zur Festlegung und Überprüfung von Kalibrierintervallen. Ein Software-Standardwert ist daher keine eigenständige fachliche Begründung.
Für einen Betrieb mit häufigem Gerätewechsel sind diese Fragen besonders wichtig: Beginnt das Intervall mit Kalibrierung, Rückkehr oder erster Nutzung? Wie werden Lagerzeit und tatsächliche Nutzung behandelt? Wer entscheidet über eine Verlängerung? Bleibt die vorherige Regel später nachvollziehbar?
Trennen Sie außerdem überfällig, in Kalibrierung, Bewertung offen, freigegeben, gesperrt und ausgemustert nach Ihrem betrieblichen Verfahren. Eine Warnmail organisiert noch keinen Rücktransport und entfernt kein Gerät physisch aus der Fertigung.
Kostenlos, Freeware oder Excel?
Eine Excel-Liste ist nicht allein wegen ihres Dateiformats ungeeignet. Die ISO-Hilfe zur dokumentierten Information nach ISO 9001:2015 lässt unterschiedliche Medien zu und stellt die wirksame Lenkung der Prozesse in den Mittelpunkt. Daraus lässt sich keine allgemeine Pflicht zum Kauf einer Spezialsoftware ableiten.
Excel kann funktionieren, wenn Zuständigkeit, kontrollierte Änderungen, Zertifikatsablage, Datensicherung und Sperrkommunikation zuverlässig organisiert sind. Bei mehreren Bearbeitenden oder häufigen Rückläufen steigt der Aufwand. Entscheidend ist nicht „ab 100 Geräten“, sondern ob der Prozess auch bei Abwesenheit und im Fehlerfall trägt.
Kostenlos testen ist nicht dauerhaft kostenlos: Memida nennt 30 Testtage; Consic begrenzt seine Testversion auf zehn Prüfmittel-Datensätze. Beim genannten Beta-Angebot ist vorab zu klären, welche Nutzungs- und Exportrechte nach der Beta gelten. Laden Sie keine vertraulichen Produktionsdaten hoch, bevor Vertrag und Zugriffsschutz geklärt sind.
Was kostet Prüfmittelmanagement Software?
Vergleichen Sie dieselbe Konfiguration und denselben Betrachtungszeitraum. Lizenzpreis, Monatsabo und Kalibrierdienstleistung sind unterschiedliche Kostenarten. Zwei öffentlich einsehbare Beispiele, Stand 8. September 2026:
- Consic PMM Extended: 990 Euro zuzüglich MwSt. für die erste Lizenz und einen Mandanten beziehungsweise Standort. Popup- oder E-Mail-Reminder kosten jeweils zusätzlich 190 Euro je Lizenz. Laut Anbieter ist der E-Mail-Reminder nur mit der Netzwerkversion kombinierbar; Cloud und weitere Lizenzen werden angefragt.
- Memida: Bei monatlicher Zahlung wird Standard mit 29 Euro zuzüglich MwSt. pro Monat für 100 Geräte, eine Person und eine Kostenstelle ausgewiesen. E-Mail-Erinnerungen und Berechtigungsgruppen stehen in Business, ausgewiesen mit 59 Euro pro Monat zuzüglich MwSt. API und Webhooks gehören zu Professional. Jährliche Zahlung hat andere Konditionen.
Diese Beispiele sind kein Marktmittelwert und kein Preis-Leistungs-Ranking. Fragen Sie zusätzlich nach Datenübernahme, Schnittstellen, Schulung, Betrieb, Wartung, zusätzlichem Speicher und Ausstiegskosten. Bei Bedarf kommen Kalibrierung, Ersatzgeräte während der Ausfallzeit und interne Bewertung hinzu; diese Leistungen sind nicht automatisch im Softwarepreis enthalten.
Datenübernahme, Kalibrierdateien und Ausstieg prüfen
Beim Wechsel zählt nicht nur, ob die Gerätezahl stimmt. Prüfen Sie auch gesperrte und ausgemusterte Geräte, fehlende Seriennummern, geänderte Standorte und mehrere Zertifikatsstände. Alte IDs sollten als Referenz erhalten bleiben, damit frühere Berichte zuordenbar sind.
PDF, VDI/VDE 2623 und DCC sind verschiedene Dinge. Ein PDF-Upload legt zunächst ein Dokument ab. Einige Anbieter unterstützen zusätzlich einen strukturierten Austausch nach VDI/VDE 2623. Der Digitale Kalibrierschein DCC der PTB beziehungsweise des DKD nutzt strukturierte, maschinenlesbare und interpretierbare Daten; PDF oder HTML können die menschenlesbare Darstellung liefern. Die bloße Unterstützung von XML beweist noch keine vollständige Kompatibilität.
Fordern Sie eine Beispieldatei Ihres Kalibrierdienstes an. Prüfen Sie gemeinsam Gerätezuordnung, Einheiten, Ergebnisse, Messunsicherheiten, Dokumentverknüpfung und die Behandlung korrigierter Scheine. Vereinbaren Sie die konkret unterstützten Formate und Versionen.
Für den Ausstieg benötigen Sie neben einer Liste auch Historien und Dokumente mit ihren Zuordnungen. Klären Sie Exportweg, Kosten, Lesbarkeit ohne Herstellerzugang sowie Zugriff und Löschablauf nach Vertragsende. Zur Betriebsauswahl gehören außerdem Rollen, Wiederherstellung aus Backups und unterstützte Betriebssysteme. „Cloud“ allein beschreibt weder einen ausreichenden Zugriffsschutz noch einen getesteten Wiederanlauf.
Abgrenzung zur Arbeitsmittelprüfung Software
Qualitätsmanagement fragt: Ist dieses Messmittel für die vorgesehene Messaufgabe geeignet? Arbeitsschutz fragt: Kann dieses Arbeitsmittel sicher verwendet werden? Beide Fragen können dasselbe Gerät betreffen, brauchen aber unterschiedliche Ergebnisse und Verantwortlichkeiten.
Beispielsweise ist der gültige Kalibrierschein eines elektrischen Messgeräts kein Nachweis dafür, dass eine erforderliche sicherheitstechnische Prüfung erledigt wurde. Umgekehrt belegt ein sicherheitstechnischer Prüfbericht nicht die Eignung für eine enge Produkttoleranz.
Für den Arbeitsschutzprozess ist Arbeitsmittelprüfung Software die passendere Seite. Die Organisation sicherheitstechnischer Prüfungen behandeln Prüfkataster und Prüfung von Arbeitsmitteln nach BetrSichV. Hier bleibt der Schwerpunkt auf Software für Mess- und Prüfmittel im QM.
Grenzen von ArbeitsschutzPilot
ArbeitsschutzPilot ist keine spezialisierte Kalibrierverwaltung. Der aktuelle Funktionsumfang umfasst Gefährdungsbeurteilungen, daraus abgeleitete Maßnahmen, Unterweisungen und zugehörige PDF-Nachweise. Eine Geräteakte mit Kalibrierwerten, externen Kalibrierscheinen, MSA und produktbezogener Freigabe gehört nicht dazu.
Wenn Sie diese Aufgaben lösen müssen, wählen Sie eine Fachlösung und legen fest, wo welche Daten geführt werden. Die Unterstützung bei Arbeitsschutz-Dokumentation darf nicht als vorhandenes Prüfmittel- oder Labor-Modul verstanden werden.
Quellenstand und Normversionen
Redaktioneller Stand: 8. September 2026. Die Anbieterübersicht basiert auf den zehn verlinkten Angeboten; Preise und Leistungsumfang müssen vor Vertragsschluss bestätigt werden. Die Demo-Aufgaben und der Fall M-117 sind redaktionelle Arbeitshilfen, keine protokollierten Kundenerfahrungen.
Die zitierte ISO-Dokumentationshilfe bezieht sich ausdrücklich auf ISO 9001:2015. Das zuständige ISO-Komitee kündigt die sechste Ausgabe für den 16. September 2026 an. Zum Recherchestand ist dies ein angekündigter Veröffentlichungstermin. Lassen Sie für Ihre Auswahl festhalten, welche Normausgabe und welche betrieblichen Anforderungen abgedeckt werden; ein allgemeines „ISO-konform“ auf einer Produktseite genügt dafür nicht.