Welche Fassung der DIN ISO 23601 gilt?
Für einen Flucht- und Rettungsplan nach aktuellem deutschem Normstand ist DIN ISO 23601:2021-11 die maßgebliche Ausgabe. Sie trägt den Titel „Sicherheitskennzeichnung – Flucht- und Rettungspläne“. DIN Media führt diese Fassung als aktuell; Quellenstand dieses Beitrags ist der 7. September 2026.
Drei Jahresangaben sind auseinanderzuhalten:
| Angabe | Was sie bezeichnet |
|---|---|
| DIN ISO 23601:2021-11 | Deutsche Normausgabe vom November 2021 |
| ISO 23601:2020 | Internationale Grundlage der deutschen Ausgabe |
| Bestätigung 2026 | Überprüfung der bestehenden internationalen Ausgabe, keine neue Ausgabe „ISO 23601:2026“ |
Die ISO dokumentiert die Bestätigung ihrer Ausgabe von 2020 im Jahr 2026. Für eine Beauftragung ist deshalb die vollständige Normbezeichnung mit Ausgabedatum hilfreicher als „nach aktueller DIN“ oder „DIN 23601“.
Was regelt die Norm – und was nicht?
DIN ISO 23601 behandelt die Gestaltung von ausgehängten Flucht- und Rettungsplänen. Der Plan soll den Menschen im Gebäude Orientierung geben. Er ist keine vollständige technische Bauzeichnung und kein Ersatz für eine geklärte Evakuierungsstrategie.
Zum Anwendungsbereich erläutert die ISO, dass die Pläne auch im Notfall von Einsatzkräften genutzt werden können. Davon zu unterscheiden sind speziell für externe Sicherheitsdienste oder Fachleute bestimmte Pläne und technische Detailzeichnungen. Eine aus einem Bauplan exportierte PDF ist deshalb noch nicht allein durch eine neue Überschrift ein Flucht- und Rettungsplan.
Auch ein Symbolsatz mit Normbezug belegt nur einen Teil des Ergebnisses. Die Auswahl der Informationen, ihre Darstellung und der tatsächliche Aushang müssen zusammenpassen. Die einzelnen E- und F-Zeichen erklärt die separate Übersicht Flucht- und Rettungsplan: Symbole.
Wie hängt DIN ISO 23601 mit den ASR zusammen?
Die DIN-Norm ist nicht selbst ein Gesetz. DIN erläutert den rechtlichen Rahmen: Normen können unter anderem durch eine vertragliche Vereinbarung verbindlich werden. Wer eine Ausführung nach DIN ISO 23601 bestellt, sollte den vereinbarten Umfang daher auch am gelieferten Plan prüfen.
Für Arbeitsstätten konkretisieren ASR A1.3 die Kennzeichnung und Plangestaltung sowie ASR A2.3 die Anforderungen an Fluchtwege und den Einsatz des Plans. KomNet NRW ordnet diese Zusammenhänge ausdrücklich getrennt vom Bauordnungsrecht ein.
Die vollständige Rechtskette steht unter Flucht- und Rettungsplan: Vorschriften. Dieser Beitrag konzentriert sich auf den Normstand und die gestalterische Prüfung, nicht auf eine erneute Entscheidung über die Planpflicht.
Welche Teile müssen bei einer Normprüfung betrachtet werden?
Die öffentlich einsehbare Gliederung zeigt, dass die Norm über Grundriss und Symbole hinausgeht. Die folgende Zuordnung macht daraus Fragen für die Prüfung eines Entwurfs. Sie ist eine redaktionelle Arbeitshilfe, keine vollständige Wiedergabe der Normanforderungen.
| Normbereich | Frage an das konkrete Ergebnis |
|---|---|
| Gestaltungsgrundlagen, Abschnitt 5 | Passt die Darstellung zur vorgesehenen Evakuierung und zu den Nutzern? |
| Elementgrößen, Abschnitt 6 | Sind Texte, Zeichen und Linien im tatsächlichen Ausgabeformat geeignet? |
| Inhalt und Darstellung, Abschnitt 7 | Ergeben Übersicht, Detailplan, Legende, Verhaltenshinweise und weitere Angaben ein verständliches Ganzes? |
| Materialien, Abschnitt 8 | Passt die gewählte Ausführung zu den Bedingungen am vorgesehenen Ort? |
| Anbringung und Standort, Abschnitt 9 | Funktioniert die Orientierung genau an diesem Aushangort? |
| Prüfung und Überarbeitung, Abschnitt 10 | Ist nachvollziehbar, welche Fassung geprüft wurde und wie Abweichungen behandelt werden? |
Die Kapitelzuordnung ist in der öffentlichen Normübersicht der DGWZ nachzulesen. Für eine vollständige Konformitätsprüfung sind die Anforderungen im Normvolltext heranzuziehen. Das bloße Abhaken dieser sechs Fragen ist keine Bescheinigung der Normkonformität.
Format, Maßstab und Schrift am Ausdruck prüfen
Ein passendes Blattformat allein genügt nicht. Nach ASR A1.3 Abschnitt 6 ist der Grundriss vorzugsweise im Maßstab 1:100 darzustellen. Die Plangröße soll zum Grundriss passen und sollte DIN A3 nicht unterschreiten; für besondere Fälle, etwa Hotel- oder Klassenzimmer, ist DIN A4 möglich.
Diese ASR-Formulierungen sind keine pauschale Aussage, jeder DIN-Plan dürfe in A4 ausgegeben werden. Bei einem ausdrücklich nach DIN ISO 23601 geplanten Ergebnis müssen die Anforderungen der Normausgabe zusätzlich berücksichtigt werden. Aushangpläne für einen großen Gebäudebereich und raumbezogene Zimmerpläne sind nicht beliebig austauschbar.
Der öffentlich zugängliche Normauszug zu Abschnitt 6 im BauNormenLexikon nennt eine Mindesthöhe der Buchstaben von 2 mm und die Lesbarkeit aus der vorgesehenen Erkennungsweite. Eine eingestellte Schriftgröße in Punkt beweist diese Buchstabenhöhe nicht: Schriftart und Ausgabe verändern das Ergebnis.
Prüfe deshalb die tatsächliche Druckprobe. Sind kleine Raumnamen lesbar? Lassen sich ähnlich aussehende Zeichen unterscheiden? Stimmen Maßstab und eingezeichnete Referenzstrecken noch? Wenn nicht, muss die Darstellung angepasst werden, etwa durch ein anderes Layout, einen geeigneten Ausschnitt oder ein größeres Format.
Rechenbeispiel: Ein A3-Plan wird auf 70,7 Prozent verkleinert
Fiktiver Ausgabefehler: Ein für A3 angelegter Plan wird im Druckdialog auf 70,7 Prozent verkleinert, um ihn ungefähr auf A4 unterzubringen. In der Ausgangsdatei sind Buchstaben 2,0 mm hoch; der Grundriss ist im Maßstab 1:100 angelegt.
Die Verkleinerung betrifft den gesamten Plan:
| Ausgangswert | Ergebnis bei 70,7 Prozent |
|---|---|
| Buchstabenhöhe 2,0 mm | 2,0 × 0,707 = 1,414 mm, gerundet 1,41 mm |
| Gezeichnete Referenzstrecke 40 mm | 40 × 0,707 = 28,28 mm |
| Grundriss im Maßstab 1:100 | 100 ÷ 0,707 ≈ 141,4; tatsächlich etwa 1:141 |
Das Beispiel ist eine eigene proportionale Berechnung, keine Empfehlung für diesen Maßstab. Die verkleinerten Buchstaben unterschreiten die oben genannte Mindesthöhe. Eine stehengebliebene Beschriftung „1:100“ wäre ebenfalls nicht mehr richtig.
Die Lösung ist nicht, nur die Maßstabszahl zu ändern. Ausgabeformat, Schrift und Zeichen müssen als Ganzes erneut geprüft werden. Ein separat gestalteter Zimmerplan kann geeignet sein; die ungeprüfte Verkleinerung eines Etagenplans belegt das nicht. Auch Druckränder und die Funktion „An Seite anpassen“ können die tatsächliche Skalierung beeinflussen.
Farben, Material und Aushang gehören zur gleichen Prüfung
Eine Bildschirmansicht zeigt nicht zuverlässig, wie der Plan hinter einer Abdeckung und bei der Beleuchtung vor Ort wirkt. In Arbeitsstätten verlangt ASR A2.3 Abschnitt 10 eine aktuelle, übersichtliche, lesbare und farbige Darstellung mit den vorgesehenen Sicherheitsfarben und Zeichen.
Prüfe daher nicht nur die Datei, sondern die vorgesehene Ausgabe: Sind Kontraste erhalten? Verdeckt eine Spiegelung Teile des Grundrisses? Ist der Plan aus der vorgesehenen Position erkennbar? Ein grüner Bildschirmbereich ist kein Prüfbeleg für ein geeignetes Druckmaterial oder die Nutzbarkeit bei Ausfall der Beleuchtung.
Die konkreten Anforderungen an Material und Beleuchtung sind anhand der anwendbaren Regeln und Bedingungen festzulegen. Der Ratgeber zu Aushang, Höhe und Standortprüfung behandelt diese örtliche Prüfung ausführlicher.
Warum Verhaltensmuster nicht ungeprüft übernommen werden dürfen
Die öffentliche Beschreibung von DIN Media stellt klar: Die Norm enthält Aussagen zur Anbringung von Verhaltensregeln, legt deren Gestaltung und Inhalt aber nicht fest. Die Beispiele im informativen Anhang A sind insoweit Muster, keine für jeden Betrieb fertigen Handlungsanweisungen.
Kontrolliere deshalb Telefonnummern, Alarmierung und betriebliche Anweisungen gesondert. Ein unveränderter Mustertext kann im Widerspruch zur tatsächlichen Organisation stehen, selbst wenn seine Umrandung korrekt aussieht. Nach ASR A1.3 dürfen die Regeln für Brandfall und Unfälle auf dem Plan oder in dessen Nähe angebracht werden.
Die Brandschutzordnung ist als eigenes betriebliches Dokument einzuordnen. Sie wird nicht allein dadurch vollständig ersetzt, dass im Plan ein Feld „Verhalten im Brandfall“ vorhanden ist.
Was folgt aus einer alten Normangabe im Bestandsplan?
Die Ausgabe DIN ISO 23601:2021-11 ersetzt die Ausgabe 2010-12. Diese hatte ihrerseits DIN 4844-3:2003-09 abgelöst; die Ersatzvermerke der früheren Ausgabe machen die Entwicklung nachvollziehbar.
Daraus folgt nicht, dass das Alter eines Planstempels allein über die aktuelle Nutzbarkeit entscheidet. Prüfe getrennt, ob der Normbezug veraltet ist, ob der Plan noch zum Gebäude passt und ob weitere Vorgaben eine Anpassung verlangen. Ein neues Exportdatum behebt keine inhaltliche Abweichung.
Auch bei älteren Sicherheitszeichen ist eine Einzelfallprüfung nötig: ASR A2.3 berücksichtigt ausdrücklich Vorgängerversionen, die im Gebäude noch verwendet werden. Eine Umstellung auf aktuelle Zeichen ist mit der Anpassung des Plans abzustimmen. Die konkrete Änderung und den Austausch betroffener Aushänge behandelt Flucht- und Rettungsplan aktualisieren.
Wie wird die Prüfung nachvollziehbar dokumentiert?
Ein Vermerk „DIN geprüft“ lässt offen, was tatsächlich kontrolliert wurde. Für eine interne Prüfnotiz sind folgende Angaben hilfreicher:
- Prüfgrundlage: vollständige Normausgabe, einschlägige ASR und zusätzliche objektbezogene Vorgaben.
- Prüfgegenstand: Plan-ID, Revision, Gebäudebereich und vorgesehener Aushangort.
- Ausgabe: geprüftes Format, Skalierung und Material; nicht nur der Name der PDF-Datei.
- Feststellung: konkrete Beobachtung, beispielsweise eine nach dem Druck gemessene zu geringe Buchstabenhöhe.
- Erledigung: zuständige Person, erforderliche Korrektur und Ergebnis der erneuten Prüfung.
Diese Notiz ist eine organisatorische Hilfe, kein Ersatz für die fachliche Bewertung. Halte offene Fragen offen, statt aus einem unvollständig geprüften Ausdruck eine Freigabe abzuleiten. Den gesamten Ablauf vom Auftrag bis zur Übergabe beschreibt Flucht- und Rettungsplan erstellen.
Gibt es die DIN ISO 23601 kostenlos als PDF?
Der vollständige Normtext wird bei DIN Media kostenpflichtig angeboten. Kostenfrei zugängliche Inhaltsverzeichnisse, Produktbeschreibungen und Ratgeber sind nicht derselbe Inhalt.
DIN nennt in den Informationen zu Kosten und Zugang außerdem Normen-Infopoints zur kostenfreien Einsicht. Prüfe vor einem Besuch Zugang und Nutzungsbedingungen der jeweiligen Stelle. Einsicht vor Ort ist nicht gleichbedeutend mit einem frei verfügbaren Download oder der Erlaubnis zur Weiterverteilung.
Für diesen Beitrag wurden öffentliche Normbeschreibungen und -auszüge sowie die verlinkten ASR-Texte ausgewertet. Der kostenpflichtige Normvolltext wurde nicht vollständig eingesehen. Die Tabellen, Druckrechnung und Prüfnotiz sind deshalb Orientierungshilfen und keine vollständige Normprüfung eines konkreten Plans.